Lussekatt, Nobelpreisträger und Weihnachtsfeiern – Dezemberwochen in Schweden

Lange haben wir hier nicht mehr berichtet. Die letzten Wochen waren arbeits- und ereignisreich. Morgens gehen wir zwischen acht und neun aus dem Haus und fahren mit Bus, Straßenbahn und Schiff in die Uni. Nun wir hoffen, dass wir zu schönen Ergebnissen kommen werden…

Neben dem Arbeiten geschieht hier auch sonst viel. Donnerstag vor zwei Wochen ging es los mit der Division-Weihnachtsfeier bei uns Ineraction-Designern. Ab 16 Uhr gab es Glögg, Pepparkakor (eine Art Spekulatius) mit Blauschimmelkäse (!), selbstgebackene Lussekatt (Leckeres Hefegebäck mit Safran, das die Form eines Katzenkopfs haben soll) ,Weihnachtsschinken, Köttbullar, Hering, deutschen Christstollen und viele gute Gespräche. Ich habe mich dann gegen sieben verabschiedet und auf den Weg zum Flughafen Landvettern gemacht um unseren nächsten Besuch abzuholen. (Wir werden berichten). Mit noch mehr Glögg und Hering ging es bei der Weihnachtsfeier bei meinem Professor zu hause am folgenden Mittwoch weiter. Nun geniale Weihnachtsfeier in beeindruckender Umgebung.

Was darf Mitte Dezember in Schweden auch nicht fehlen? Genau das Luciafest! Der Sieg über die Dunkelheit wird gefeiert! Eigentlich wollte ich zum größten Luciaumzug Göteborgs gehen, aber irgendwie war ich zur falschen Zeit am falschen Ort… Und statt den Sieg über die Dunkelheit zu feiern, hat mich die Kälte besiegt. Aber ich hatte auch noch weitere Pläne für den Abend. Das hatte zwar nichts mit Lucia-Katzen zu tun, aber auch mit Katzen und dem international wichtigsten schwedischen Ereignis im Dezember. Die beiden diesjährigen Nobelpreisträger in Physik haben in Chalmers eine Vorlesung über Quantenphysik gehalten. Seis wies sei… Ob Schrödingers Katze nun tot ist oder noch lebt, viel habe ich nicht verstanden. Und Nobelpreisträger halten auch nicht unbedingt bessere Vorlesungen als andere. Wer von euch jetzt schon ganz neidisch auf die spannenden Erkenntnisse der Quantenphysik ist, kann sich gerne die Vorlesung online anschauen.

Seit letzter Woche sitzt eine Woche im Monat ein echt schwedischer PhD-Student bei mir im Büro. Am Freitag schienen sich alle Schweden entschlossen haben, meine Sprachkenntnisse zu verbessern, auch wenn mein Sprachkurs erst im Januar beginnt.

Morgens kurze Übung im Smalltalk. Nachmittags im Bioladen wurde ich nicht mehr in Englisch bedient. Englisch – nur noch zur Erklärung, Käse nur auf schwedisch. Leider musste heute mein Schwedisch-Unterrecht ausfallen. Meine Büro-Kollegen waren heute alle bereits auf dem Weg nach Hause und im Bioladen herrschte Weihnachtsstress pur. Dafür habe ich heute den frühesten Sonnenuntergang des Jahres mit Meerblick genossen.

Auf den Liseberg!

Zum Pflichtprogramm bei einem Göteborgbesuch in der Weihnachtszeit gehört ein Ausflug auf den Liseberg. Der Liseberg ist DER Freizeitpark mitten in der Stadt. Ich glaube vergleichbar mit dem Tivoli in Kopenhagen. Den kenne ich aber nur von Außen. Auf dem Liseberg findet der größte Weihnachtsmarkt in Göteborg statt. Außerdem bietet der Liseberg angeblich die einzige Möglichkeit im Dezember Schnee in Göteborg zu erleben! – Dies erwies sich aber bereits am Montag als falsch!

Wieder in der Stadt aus Salthomen zurück, sind wir von Brunnsparken mit einer historischen Straßenbahn zum Lisberg gefahren. Und mit „historisch“ meine ich nicht die Straßenbahnwagen, die hier täglich fahren, sondern wirklich ältere! Auf schönsten Holzbänken und mit adrettem Schaffner brausten wir auf dem Lisberg. Dort angekommen ging es schneller als wir erwartet hatten, durch die Kasse. Pro Person immerhin 80 SEK (etwa 9,30 EUR). Neben echten Rentieren gab es vor allem viele Schweden zu bestaunen! Ich hatte den Eindruck alle 9 Millionen Schweden oder zumindest alle im Großraum Göteborg waren auf dem Liseberg. Die Hauptattraktion scheinen Gewinnspiele zu sein, bei denen man mehrere Kilo Schokolade, dänisches Marzipan oder Toblerone gewinnen kann. Neben den großen Kohlegrills zum Aufwärmen der Hände und dem „Glühwein“ 2 dl für sparsame 65 SEK (7,50 EUR), hat uns die Beleuchtung am meisten fasziniert.

Hop hop Insel-Hopping

Seit Donnerstagnacht haben wir endlich wieder Besuch! Julias Eltern sind über ein verlängertes Wochenende aus Ludwigshafen über Frankfurt eingeflogen. Neben vielem anderen haben sie auch schönstes Wetter mitgebracht. So viel Sonne hatten wir seit Wochen nicht mehr. Also sind wir am Samstag auf Wunsch von Julias Mama zu den Inseln aufgebrochen. Als erstes ging es wieder zur Insel Vrångö. Dort haben wir eine Südspitzentour gemacht und die Wintersonne genossen. Um bei den winterlichen -10C° nicht einzufrieren, haben wir bald das Schiff nach Styrsö genommen. Styrsö ist deutlich belebter als Vrångö. Zwischen Motorrollern und kleinen Elektroautos spazierten wir von der Schiffsanlegestelle im Süden der Insel in den Norden. Dort sind wir in eines der zwei Cafés eingekehrt und haben uns mit Köttbullar-Broten, heißem Apfelkuchen und Glögg aufgewärmt.

Glögg ist das schwedische äquivalent zu deutschem Glühwein. Er ist an die schwedischen Alkoholpreise und den Gewürzkonsum angepasst;-)

Und weiter gings nach Brännö. Dort hofften wir auf einen Weihnachtsmarkt. Also ging es wieder quer über die Insel. Leider war der Weihnachtsmarkt noch nicht geöffnet oder wir haben ihn auf Grund seiner Größe übersehen. Da es bereits kurz vor vier war und somit beinahe dunkel, spurtete Julia zum Hafen. Durch ihren Charme konnte Sie den Kapitän überzeugen wieder Anzulegen und uns mitzunehmen. Sonst hätten wir zwei Stunden im Dunkeln auf der kalten Insel sitzen (Korrektur: stehen) müssen.

In Saltholmen angekommen, hoffte ich gemütlich mit der Straßenbahn nach Hause fahren zu dürfen und in unserem Schaukelstuhl wieder warm zu werden. Leider waren die Drei noch alles andere als müde! Also auf auf den Liseberg zum Göteborgs größtem und tollstem Weihnachtsmarkt.

Göteborg am Abend

Gestern hatten wir schönstes Herbstwetter, Morgens strahlende Sonne und nachmittags beinah sternenklarer Himmel. Und dazu noch angenehme8C°! Da Julia Momentan immer so bis gegen neun arbeitet, die perfekte Gelegenheit in aller Ruhe mit der Kamera einen ersten Blick auf die Weihnachtsbeleuchtung zu werfen!

Leider musste ich gestern noch eine Präsentation für heute fertig machen und bin deshalb erst kurz nach sieben aus der Uni gekommen. Da hatten die kleinen Läden leider schon zu, als ich in der Stadt angekommen war und dem entsprechend leer war es. Aber seht selbst…

Auf nach Klippan

Trotz des grauen Wetters sind wir am Samstag zu Hafenrundfahrt aufgebrochen. Wir können ja nicht warten bis der November vorbei ist! Eigentlich wollte ich nicht darüber bloggen, dann dachte ich, ich könnte vielleicht einfach ein Bild vom „blassen Typ vor der grauen Wand“ posten und damit wäre auch alles gesagt. (Der blasse Typ, ist der neben den netten Kommentaren von euch)…

Laut unseres Reisefüheres gibt es die beste Hafenrundfahrt mit der Linie 180 ab Lilla Bommen. Von Klippan kann man auf Skandinaviens größten Hafen schauen. Also los! Vorbei an meinem schönen Büro ging es nach Klippan. Dort angekommen sind wir erstmal in Klippans Konstcafé eingefallen. Eigentlich wollten wir dann über die größe Brücke, Älvsborgsbron, laufen und dann auf Hisingen zurück nach Lindholmen laufen. Leider haben wir den Weg auf die Brücke nicht gefunden. Also musste ich auf die großartige Aussicht verzichten… Naja wahrscheinlich hätte das Grau dort auch nicht anders ausgesehen…

Schwedisches Design

Schwedisches Design prägt unser Leben in nicht nur hier sondern auch in Deutschland man denke nur an Kleidung oder Möbel. Schweden versteht sich selbst, nicht zu unrecht, als innovatives Land. Und nicht zu Letzt spielen für meine Arbeit hier Designfragen eine Rolle. Deshalb habe ich mich gleich zu beginn entschlossen, Interessantes aus dem schwedischen Alltag zu sammele. Da ich die Bilder im Alltag sammeln, sind sie alle mit dem Handy aufgenommen:-(

Sonntagsausflug in die schwedischen Wälder

Vorletzten Sonntag haben wir entschieden, nicht mit Bus oder Bahn aufzubrechen, sondern unsere Umgebung zu Fuß zu erkunden. Unser Ziel: Ein nahe gelegener Badesee. Zuerst ging es entlang einer Schnellstraße in den Wald. Die Waldwege hier gleichen eher Wanderwegen, wie man sie aus den Alpen kennt – beschilderte Pfade, bei denen wir uns nicht immer sicher waren, ob es offizielle Wege sind.

Nach einigen Metern sind wir zum ersten Aussichtspunkt gekommen. Dank des guten Wetters hatten wir eine tolle Aussicht auf einige Stadtteile Göteborgs. Wir sind dem größten Weg zu weiteren Aussichtspunkten gefolgt. Schließlich hatten wir Blick auf die ganze Stadt und in der ferne konnten wir das Meer erahnen. Nur von dem eigentlich nahen See war nach einer Stunde noch nichts zu sehen. Doch dank GPS haben wir den See nach einem Spaziergang durch moorigen Wald bald erreicht.

Am See angekommen, haben wir entschieden, dass es zu kalt zum Baden ist:-( Dennoch ein wunderschönder See und gut vorstellbar wie die Göteburgerinnen und Göteburger hier warme Sommerabende am See genießen…

Area cleaning day

Wie Julia bereits berichtete, sind letzte Woche Freitag meine Eltern zu Besuch  gekommen. Wir waren gerade dabei das Auto auszuladen, als ein freundlicher Nachbar vorbei lief. Warum auch immer sind wir ins Gespräch gekommen und er fragte mich, ob wir am Tag drauf auch zum area cleaning day kommen würden. Area cleaning day? Ich konnte mir absolut nichts unter „area cleaning day“ vorstellen. Als wir vor rund vier Jahren nach Stuttgart gezogen sind, wurden wir von allen vor der schwäbischen Kehrwoche gewarnt. Erlebt habe ich diese aber in Stuttgart nie in der beschriebenen Form. Sollte die Kehrwoche also in Göteborg mehr gelebt werden als in Stuttgart? Auch bevor wir nach Göteborg gegangen sind, habe ich viele Gerüchte über das Leben hier gehört, wie zum Beispiel, dass es hier immer regnet und dunkel ist… Aber von der göteborger Kehrwoche hatte ich noch nie etwas gehört!

Leider habe ich dann vergessen zu fragen, wo und wann sich genau zum „area cleaning day“ getroffen wird. Also habe ich den Samstag mit einem Spaziergang durch unsere Siedlung begonnen. Aber Morgens um Acht war hier nichts los und auch niemand zu sehen, der aufräumen wollte. Aber dann gegen kurz vor Zehn rollten die ersten Schubkarren an unserem Fenster vorbei. Also raus und mit anpacken! Wir wurden von unseren neuen Nachbarn sehr freundlich empfangen. Nach kurzer Vorstellung, fragten wir einen jungen Familienvater was wir tun sollten. Mit Schaufel und Besen bewaffnet machten wir uns dann an die Arbeit bereits gejätetes Unkraut und Laub einzusammeln. Unsere direkten Nachbarn, ein älteres schwedisches Ehepaar, war gleich ganz begeistert, dass wir frisch angekommen mit anpacken.

Gute zwei Stunden später, war das Unkraut verschwunden, der Rasen gerecht und die Hecken wieder in Form gebracht! Nun wird hier nicht nur zusammen gearbeitet, sondern auch zusammen gefeiert. Und so wurde danach gegrillt. Für uns eine wunderbare Gelegenheit unser Nachbarn besser kennen zu lernen! Zum Glück sprechen so gut wie alle fließend englisch und einige auch deutsch. So konnten wir uns gut unterhalten und neue Kontakte knüpfen.

Dabei haben wir dann herausgefunden, dass es viermal im Jahr einen „area cleaning day“ gibt. Diese werden hier von den Garagen-Gemeinschaften organisiert und durchgeführt. Faszinieren für mich, dass sich hier die Nachbarschaft viermal im Jahr trifft um die öffentlichen Flächen zu pflegen und danach gemeinsam zu Grillen. In einer deutschen Großstadt kaum vorstellbar. Hier aber scheint der Einsatz für den öffentlichen Raum aber üblicher zu sein.

Nach einer Stunde am Grill war dann der Spaß auch schon vorbei. Normalerweise kommen wohl mehr Nachbarn und es wird auch länger gegrillt. Aber leider regnete es den ganzen Vormittag – sonst sei es wohl immer trocken bei den „area cleaning days“(!) 😉 Wir werden sehen! Nun haben wir ein viertel Jahr Zeit, um wenigstens ein bisschen Schwedisch zu lernen, damit wir uns mit unseren Nachbarn mehr unterhalten zu können!